Donnerstag, 5. April 2018

Chronologien der Entmündigungspraxis in Österreich 1977 bis 2018

Bildergebnis für bipolare störung

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/chronik/434125_Psychiatrie-im-Nachkriegs-Wien.html

Die Affäre rund um die angebliche "Malariatherapie" für Heimkinder bis Mitte der 1960er-Jahre an der sogenannten Klinik Hoff rückt eine Institution ins zeitgeschichtliche Rampenlicht, die in jener Zeit von bis heute prominentesten Psychiatern geprägt war. Die "Klinik Hoff" - in der auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer strikt patriarchalisch geprägten Medizinischen Fakultät in Wien - war eigentlich einfach die Universitätsklinik für Psychiatrie und Neurologie. Tätig waren dort unter anderen Gerichtspsychiater-Doyen Willibald Sluga und Suizidforscher Erwin Ringel.

https://ruzsicska.lima-city.de/Wiss/Extrablatt_3_1977.pdf

Hoff selbst (1897 bis 1969) war im Wien der 1960er-Jahre quasi der sprichwörtliche Psychiater, "seine" Klinik ebenso. Hoff wurde 1897 in Wien geboren, studierte in Wien Medizin und war von 1928 bis 1932 an der Klinik unter deren damaligen Leiter und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg (Behandlung der Progressiven Paralyse bei Syphilis per Malaria-Fieber) als Assistent tätig. 1936 wurde er Vorstand der Neurologischen Abteilung der Poliklinik Wien in unmittelbarer Nähe des Alten AKH. Einer seiner Nachfolger - nach dem Nationalsozialismus - war dort ab 1946 auf Intervention von Bruno Pittermann (SPÖ) der Entwickler der Existenzanalyse, Viktor Frankl.

https://www.huffingtonpost.de/entry/wie-wird-heinz-christian-strache-reagieren-anfrage_de_5a8ea261e4b0d0e89988e40e





Sluga und Ringel
Im Umfeld der Anschuldigungen wegen der Malaria-Fiebertherapie tauchen laut dem Wiener Anwalt Johannes Öhlböck auch die Namen "Sluga" und "Ringel" auf. Der Neurologe und Psychiater Willibald Sluga war in den 1960er- und vor allem in den 1970er-Jahren einer der führenden Gerichtspsychiater in Österreich. Er arbeitete ebenfalls an der Psychiatrischen Universitätsklinik. In der Öffentlichkeit bekannt wurde er speziell als Berater des Krisenstabes der österreichischen Regierung unter Bruno Kreisky (SPÖ), als am 28. Jänner 1973, am jüdischen Neujahrsfest, zwei palästinensische Geiselnehmer am Grenzbahnhof Marchegg drei jüdische Emigranten und einen österreichischen Zollwachebeamten in ihre Gewalt brachten und die Schließung des Transitlagers für Emigranten auf dem Weg von der damaligen Sowjetunion nach Israel in Bad Schönau forderten. Die Geiselnehmer wurden schließlich nach Libyen ausgeflogen. Sluga stand aber auch hinter den Reformen der Ära Kreisky, was den Umgang mit geistig abnormen Rechtsbrechern und generell Psychiatrie in der Justiz betraf.


http://www.tabularasamagazin.de/der-oesterreichische-justizskandal-braucht-krisen-pr-neustart-der-justiz-in-wien-dringend-erforderlich/


Die Geschichte des entmündigten Vorarlberger Buchhalters Norbert Wittmann 

Auch in den 1960-er Jahren musste das Mündel seine Hinrichtung selbst bezahlen! 



Primarius Werner Vogt 1977 und 2009 

Links zu den erwähnten Personen im Artikel von 1977: 

Willibald Sluga: 

Dr. Willibald Sluga, Arzt für Psychiatrie (Steinhof, Wien) und Wegbereiter der großen Strafrechtsreform in Zusammenarbeit mit dem damaligen Justizminister Christian Broda (1974)


Bildergebnis für bipolare störung
Bipolare Störung - ohne Berücksichtigung der Dauer-Manie 

http://www.zeit.de/1976/04/drei-jahre-im-irrenhaus/seite-2



Bildergebnis für werner vogt

Zeitschrift PROFIL, 23. OKTOBER 2009 

UNTER KURATEL

Justiz. In Österreich steigt die Zahl der Personen, die einen Sachwalter bekommen, rasant. Aus Kostengründen werden erst wenige Fachkräfte eingesetzt. Beschwerden häufen sich. 

Von Otmar Lahodynsky 

In Pflegeheimen und Spitälern ist die Gefahr am größten. Schon bei geringen Anzeichen von Verwirrtheit kann über eine ältere Person ein „Sachwalterschaftsverfahren“ eröffnet werden. Bei der „Erstanhörung“ reicht es mitunter, dass man nicht weiß, wie viel ein Laib Brot kostet, wie der Bundespräsident heißt oder was ein Sachwalter tut. Liegt dann auch ein entsprechendes (psychiatrisches) Gutachten vor, ist man seine Geschäftsfähigkeit los und kann über sein Vermögen nicht länger selbst verfügen. Der meist finale Lebensabschnitt der „Besachwalterung“ hat begonnen. 
Der Pflegeombudsmann und Arzt Werner VOGT schlägt Alarm: „In keinem Land in der EU verlieren so viele Menschen so schnell und so leicht ihre bürgerlichen Rechte wie in Österreich. Das ist eigentlich ein Wahnsinn.“ 

Die Zahl der Personen, die vom Gericht einen Sachwalter zugewiesen bekamen – bis vor 30 Jahren verwendete man den Begriff „Entmündigung“ -, stieg heuer auf über 50.000 an, der Großteil davon umfasst ältere Menschen. Jährlich kommen etwa 8000 neue Fälle hinzu, Tendenz steigend. 

Ein Besuch Vogts in dem von der Gemeinde Wien betriebenen Altenheim in YBBS bestätigt seine These. „Dort sind bereits drei Viertel der Insassen besachwaltet. In einem vergleichbaren Heim in der Schweiz fand ich überhaupt nur eine einzige Person mit einem Sachwalter vor.“ 

Vogt vermutet, dass daran auch die Bequemlichkeit der Richter oder Heimbetreiber schuld sei. So würden Sachwalter nicht – wie laut Gesetz möglich – nur für einen bestimmten Bereich, sondern gleich für alle Lebensumstände bestellt. Vogt: „Natürlich ist es leichter, wenn man den Senioren gleich alle Rechte wegnimmt. Und den Sachwaltern ist es am liebsten, wenn die alten Leute in einem Heim leben. Da muss man sich sehr oft nicht mit lästigen Angehörigen beschäftigen.“ 
Das Gesetz sieht zwar vor, dass möglichst nahe Angehörige zu Sachwaltern bestellt werden sollen, aber dies wird nicht immer befolgt. Bei Justiz-Ombudsstellen oder bei der Volksanwaltschaft häufen sich daher Beschwerden. So gibt es Klagen, dass zu wenig Geld für persönliche Anschaffungen bewilligt werde. 

Besonders geschulte Sachwalter, die in Österreich vier Vereine, wie das VertretungsNetz anbieten, sind aus budgetären Gründen rar. Daher betrauen die Richter weiter Rechtsanwälte und Notare, die für die betroffenen Personen oft nur wenig Zeit aufbringen können. 

Dazu kommt ein generelles Kommunikationsproblem. „Ältere Leute tun sich ja schon schwer, zu bestimmten Zeiten ihre Wünsche den Anwälten mitzuteilen“, weiß Peter Mader, Sachwalterschaftsexperte des Pensionistenverbandes. „Und so ein Sachwalter schaut meist nur ein Mal im Monat vorbei“. 

Profil vorliegende Fälle zeigen die Problematik des erst 2006 novellierten Gesetzes auf (siehe Kasten) 

Bildergebnis für erwachsenenschutzgesetz neu




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