Im Oktober 2009 erstattete ein ehemaliger Sublieferant Anzeige gegen Grasser und die frühere Geschäftsführung des Bundesrechenzentrums wegen des Verdachts auf Korruption. Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin Hausdurchsuchungen im Rechenzentrum sowie bei Siemens an. Zuvor hatte bereits der Rechnungshof auf die gegenüber dem Budgetvoranschlag seit 2001 angefallenen Mehrkosten von 300 Millionen Euro hingewiesen und die überhöhten Ausgaben für den Elektronischen Akt (ELAK) kritisiert, dem keine Effizienzsteigerungen gegenüberstanden.
ELAK (Elektronischer Akt) die Umsetzung der E-Government-Strategie der Republik Österreich. Durch ELAK ist elektronische Aktenverwaltung, automatisierte Abwicklung von Geschäftsprozessen, Archivierung und eine nahtlose Verwaltungskooperation zwischen den Behörden. Ebenso bildet der ELAK die Basis für eine bürgernahe Verwaltung und ermöglicht One-Stop-Government.
Österreich wurde mehrmals im Rahmen des von Capgemini durchgeführten Benchmarkings für E-Government innerhalb der EU-Staaten als herausragend in der Umsetzung von E-Government genannt.[1
Im Juli 2006 wurde bekannt, dass Grasser den in die BAWAG-Affäre involvierten Wolfgang Flöttl mehrmals getroffen hatte. Unter anderem verbrachte Grasser im August 2005 zwei Tage mit Flöttl gemeinsam auf einer Yacht von Julius Meinl V. Dies wurde von Grassers Sprecher zunächst öffentlich dementiert, nach zwei Tagen wurden die Treffen mit Flöttl jedoch bestätigt. Grasser bestritt die persönliche Bekanntschaft mit Flöttl nun nicht mehr. Grassers früherer Pressesprecher Lepuschitz ist Staatskommissär bei der Julius Meinl Investment GmbH. Wolfgang Flöttl wiederum war in unterschiedlichen Aufsichtsratsfunktionen bei der Meinl-Bank tätig.
Grasser wurde 2005 von Peter Pilz und 2011 vom Staatsanwalt vorgeworfen, bei seiner Hochzeit gegen das Meldegesetz verstoßen und den damaligen Bürgermeister von Weißenkirchen zum Amtsmissbrauch angestiftet zu haben. Grasser fürchtete durch die Ehefähigkeitsprüfung am Standesamt seines Hauptwohnsitzes Wien Indiskretionen vor der Hochzeit. Auch Bürgermeister Bodenstein verwies darauf, ohne Ansehen der Person oder des Amtes im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zu helfen.[41][42] Am 9. Februar 2015 wurden die Ermittlungen mit der Begründung eingestellt, dass Grasser ohnehin mehrere Straftaten angelastet werden.[
Laut dem österreichischen Nachrichtenmagazin Format soll Grasser im Zeitraum 2006/07 am umstrittenen Verkauf der Hypo Group Alpe Adria mitverdient haben. Er soll sich noch während seiner Amtszeit mit einer halben Million Euro indirekt über die Schweizer Treuhandgesellschaft Ferint AG an der von Tilo Berlin geleiteten Investorengruppe beteiligt und damit gegen das Unvereinbarkeitsgesetz verstoßen haben. Grasser hätte das Investment dem Präsidenten des Rechnungshofes melden müssen.[57][58] Grasser ließ die Berichte durch seinen Anwalt dementieren.[34] Am 26. März 2010 veröffentlichte Format einen vertraulichen Prüfbericht der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), in dem Grassers Geschäfte detailliert nachgewiesen werden.[58] Am 1. April 2010 zitierte die Süddeutsche Zeitung aus einer E-Mail von Tilo Berlin vom 22. Dezember 2006 an Grasser. Darin wurde der damalige Finanzminister gebeten, den Betrag für die geplante Beteiligung an der Hypo Alpe Adria zu überweisen. Die E-Mail enthielt auch den Zeichnungsschein und alle weiteren Unterlagen für die Transaktion.
Daniel Swarovski (* 24. Oktober 1862 in Georgenthal, Böhmen als Daniel Šwartz; † 23. Jänner 1956 in Wattens, Tirol) war ein österreichischer Glasschleifer böhmischer Herkunft und Gründer des Unternehmens Swarovski, das sich zum Weltmarktführer für geschliffenes Kristallglas entwickelte.
Am 15./16. März 2005 hatte die damalige Verlobte von Karl-Heinz Grasser, Natalia Corrales-Diez, einen Unfall mit einem Porsche Cayenne. Die Untersuchungen ergaben, dass das Auto dem damaligen Finanzminister Grasser von seinem „Wahlonkel“ Burckhard Graf zur Verfügung gestellt worden war. Dieser „Freund der Familie“ saß seit 2001 auf Vorschlag seines „Nenn-Neffen“ Grasser als Aufsichtsrat in zwei Gesellschaften, die zu 100 Prozent im Eigentum der Republik Österreich stehen: in der Bundespensionskasse und im Bundesrechenzentrum. Bei Letzterem war Grasser Eigentümervertreter. Neben der Fragwürdigkeit, die durch die Annahme von Zuwendungen von einem „Günstling“ entstand, stellte sich auch die Frage nach der Versteuerung dieser Zuwendung.[39][40] (siehe auch Abschnitt: Verdacht auf Korruption bei der ELAK-Einführung)
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