Der Fall Karmasin: Hintergründe für Entmündigung und Enteignung in Österreich
Justiz auf Österreichisch: Genesis 12. Genesis 29 und weitere
Am 6. Februar 1939 erklärte er in der Sudetendeutschen Zeitung Die Zeit, wie er sich die Zusammenarbeit der deutschen Volksgruppe mit der Slowakischen Regierung vorstellte: „Wir wollen nicht Verträge, sondern klare Verhältnisse zwischen dem slowakischen Volk und der deutschen Volksgruppe schaffen. Die Voraussetzung hierfür ist aber die Ausschaltung aller Widerstände, vor allem aber die Ausschaltung der Juden. Die jüdische Presse ist es, die ein Interesse daran hat, dass keine klaren Verhältnisse bestehen. Wir wollen ohne Vermittlung der Juden miteinander sprechen und verhandeln.“[1]
Auch wurde Karmasin im März 1940 zum Führer der deutschen Volksgruppe in der Slowakei gewählt. In dieser Eigenschaft forderte er am 1. Mai 1940: „Zuerst müssen wir uns dafür einsetzen, dass unsere deutschen Gemeinden von der Judenplage befreit werden, wenn wir von anderer Seite dabei auch immer behindert werden. Wir müssen diese Idee aber dauernd propagieren und erreichen, dass die Slowaken begreifen, welche Belastung die Juden für diesen Staat sind.“[2]
1941 gründete er ein NS-orientiertes Institut für Heimatforschung in Kežmarok, um germanische Wurzeln in der Slowakei zu erforschen. Es war die Absicht, die entsprechenden Institute in Prag und Wien zu koordinieren, außerdem beschaffte das Institut Material für seine Deutsche Partei. Im Forschungsrat des Instituts saß er zusammen mit Hans Joachim Beyer von der Reinhard-Heydrich-Stiftung (nach 1945 Professor in Flensburg), sowie mit Josef Hanika, Bruno Schier, Walter Gierach und Wilhelm Weizsäcker.
Karmasin soll an der Deportation von Juden beteiligt gewesen sein, ebenso an der Säuberung der deutschen Volksgruppe von (nach seinen Worten) „rassisch minderwertigen und asozialen Elementen“.
1941 wurde er zum SA-Brigadeführer, 1943 zum SS-Hauptsturmführer und 1944 zum SS-Sturmbannführer ernannt.[3] Unter den Volksdeutschen warb er für den Eintritt in die Waffen-SS.
Im Juli 1944 forderte Karmasin anlässlich eines Treffens der Führer der Deutschen Partei die Gründung eines bewaffneten Heimatschutzes zum Schutz der deutschen Bevölkerung in der Slowakei. Den Beginn der Gründung teilte Karmasin in einem Schreiben vom 19. August 1944 auch Heinrich Himmler mit. Im September 1944 begann die Ausbildung von Mitgliedern des Heimatschutzes, der eigentlich eine paramilitärische Organisation war, mit Zustimmung der damaligen Deutschen Botschaft in Preßburg.
Nach Kriegsende flüchtete Franz Karmasin zunächst nach Österreich, wo er unter dem falschen Namen Franz Dibak lebte. Nachdem die Nürnberger Prozesse beendet waren, zog er nach Westdeutschland.
1952 wurde er Mitglied des Witikobundes und ab 1959 dortiger Geschäftsführer. Dieser Verband wird dem rechten Flügel der Sudetendeutschen Landsmannschaft zugeordnet und zeigt rechtsextreme Bestrebungen. Als „hoch verehrter“ Funktionär der Sudetendeutschen Landsmannschaft wollte er sich an seine nationalsozialistische Vergangenheit in der Slowakei, seine antisemitischen Äußerungen und die Verfolgung der Juden nicht mehr erinnern. Gegenüber einem Spiegel-Redakteur erklärte er im Jahre 1966: „Was wollen Sie, ich war ja nicht einmal in der NSDAP.“[2]
Von 1960 bis 1965 war Karmasin als „Sonderverbindung“ für den Bundesnachrichtendienst tätig.[4]
Bereits 1947 war Franz Karmasin in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Wiederholt forderte Prag von der deutschen Bundesregierung seine Auslieferung, jedoch ohne Erfolg, da nach deutschem Recht deutsche Staatsangehörige nicht ans Ausland ausgeliefert werden.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.